Japan - Der alltägliche Wahnsinn

Das Tagebuch zu dem 12-monatigem Aufenthalt in Japan ... Studium an der Ryukoku in Kyoto, Neues, Interessantes, Skuriles, Lustiges ...

Montag, April 17, 2006

1 Woche ist rum

Nach den Anfangsschwierigkeiten habe ich mich inzwischen doch schon an das meiste hier gewöhnt. Auch wenn sich mein Japanisch noch nicht wirklich verbessert hat, hab ja noch 12 Monate Zeit (^-^), so fallen einem die alltäglichen Sachen wie in der Mensa Essen bestellen oder nach irgendwas fragen doch auffällig leichter und einige „vernünftige“ Leute habe ich dann auch in meinem recht kleinen Wohnheim gefunden. Mit Lee, einem schwerfälligem, immer relaxten Australier, dessen Akzent ich auf Englisch schon kaum verstehe und der beim japanisch reden nur noch schlimmer wird, versteh ich mich besonders gut. Wir wollen die Tage mal einen trinken gehen und ein Sushi Wettessen starten… wir werden sehen!

Es ist nur wirklich unglaublich wie auffällig man als großer Blonder hier in Japan ist. Hab die Warnungen der Leute die vor mir in Japan waren ja nicht ernst genommen, aber ich erlebe es am eigenen Leib. Ok, das weinende Kind war die Spitze vom Eisberg, aber dass mich Studenten in meinem Alter nicht trauen anzusprechen, oder sich heimlich hinter mich stellen um zu gucken wie gross ich bin um dann grinsend weg zu rennen, wenn ich sie dabei entdecke ist auch schon ganz großes Damentennis! Auf Dauer nervt das schon….

10 min. Fußweg von meinem Wohnheim entfernt, liegt der Fushimi Inari Schrein. Ich hab ihn am Wochenende besichtigt und der ist echt mal der Hammer. Über ca. 4km (!!!) haben die doch echt ein großes rotes torii (so ne Art Tor) nach dem anderen gestellt. Man geht quasi in einer Art roten Tunnel den Berg hinauf! Und wenn man mal links und rechts durch die engen Zwischenräume guckt, sieht man meterhohen Bambus oder tiefgrüne Wälder. Wirklich sehr schön! In dem Film „Die Geisha“ läuft die Kleine auch durch diesen Tunnel!

Ansonsten wird mein Alltag im Moment noch eher von Papierkram bestimmt. Anmeldungen und Registrierungen ohne Ende. Aber das meiste habe ich geschafft. Die „Uni-Orientierung“ neigt sich dem Ende zu, die meisten Papiere wurden unterschrieben und jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Handyvertrag und die WLAN Registrierung an der Uni, aber das soll auch noch in den nächsten Tagen passieren!

Die grösste Veranstaltung war bislang die Nyugakushiki (die Semester-Eröffnungszeremonie). Alle neuen Studenten, alle – WIRKLICH ALLE – trugen einen schwarzen Anzug mit passender Hose bzw. passendem Rock. Nur die „blöden“ Auslandsstudenten waren kunterbunt gekleidet und vielen natürlich auch dementsprechend auf! Wer kann schon wissen, dass die Bemerkung „please wear semi-formal clothes at the ceremony“ bedeutet, dass man einen schwarzen Anzug tragen sollte! Aber gut, den Buddhistischen Priester, der in der mit Räucherstäbchen-Duft vernebelten Turnhalle, die formellen Worte an uns richtete, war das herzlich egal. Und so machten wir dann auch alle das beste draus und nachdem eine Austauschstudentin, stellvertretend für uns alle, nach nicht untertriebenen 10 maligem Verbeugen, dem Priester feierlich gelobte, dass sie fleissig lernen und den Ruf der Uni nicht beschmutzen werde, durften wir dann zum Mittagessen gehen!! Gab ne leckere Reispfanne … Aber das nur neben bei! (^-^)

So, als gesegneter Ryukoku Student werde ich dann jetzt mal so langsam anfangen zu lernen. Am Montag beginnt hier das Semester, auch wenn das mit dem Aufblühen der Kirschblüten zusammenfällt und da eigentlich nur den ganzen Tag gesoffen wird. Da die Blüte auch wieder verblühen, kann man sich ja dann dem Lernen witmen!!

Viele Grüsse aus Kyoto