Japan - Der alltägliche Wahnsinn

Das Tagebuch zu dem 12-monatigem Aufenthalt in Japan ... Studium an der Ryukoku in Kyoto, Neues, Interessantes, Skuriles, Lustiges ...

Montag, Mai 01, 2006

1 Monat und Schuhe!

Die Zeit vergeht schnell. Jetzt ist bereits ein Monat vergangen, seitdem ich in Osaka gelandet bin und ich habe schon so viel erlebt, dass es Stunden dauern würde alles zu erzählen. Inzwischen hab ich mich richtig gut eingelebt und führe ein normales Studentenleben, glaube ich jedenfalls. Uni, Lernen, Basketball, Freunde treffen und Party machen. Und wenn der straffe Stundenplan es zulässt geh ich mit „meinen Jungs“ aus dem Wohnheim (Lee, aus Australien und Chris, aus Bonn) noch ein bisschen Kyoto erkunden. Obwohl das nicht immer so klappt, wie man sich das vorstellt! So haben wir uns letztes Wochenende auf den Weg zum KINKAKUJI (den goldenen Tempel) gemacht… Und nachdem wir 1 ½ Stunden auf dem Weg waren, viel mir dann auf, als ich mal genauer auf so ein Wegweiser guckte, dass wir auf dem Weg zum GINKAKUJI (dem silbernen Tempel) waren…. Wie kann man auch so zwei grosse Sehenswürdigkeiten in einer Stadt so ähnlich nennen!!! Na ja, da wir aber unbedingt den goldenen Tempel sehen wollten, haben wir uns in einen Bus gesetzt, der uns da hin bringen sollte. Hat er auch getan…. Die ganze Fahrt hat aber über ne Stunde gedauert, weil der goldene Tempel am komplett anderen Ende der Stadt steht als der silberne….. NATÜRLICH!!! Wir kamen also gegen 17.30 am Tempel an und sahen, im Regen stehend, das Schild mit den Öffnungszeiten… Richtig. Der hat nur bis 17.00 Uhr auf! Also, haben wir uns an ner Fressbude takoyaki (gebratener Tintenfisch) und ein Bier gegönnt… haben auf diesen „erfolgreichen“ verregneten und grauen Tag angestoßen und den Heimweh angetreten. Wir wollen es nächste Woche dann noch mal probieren. Den Weg kennen wir ja jetzt! (^-^)v

Ansonsten bin ich froh, dass ich so schnell nette Leute kennen gelernt habe. Aus der Uni und dem Basketball Club, aber auch wenn man sich in ne Bar setzt kommen die Japaner auf einen zu und sprechen einen an. Die meisten wollen glaube ich die Chance nutzen um ihr, in den meisten Fällen, miserables Englisch zu trainieren. So reden auch die Bahnangestellten, Supermarktmitarbeiter oder Bedienungen in Cafes meistens Englisch, obwohl ich auf Japanisch bestelle oder Fragen stelle… Wenn man sich das mal so vorstellt eine lustige Konversation: ich rede als Ausländer japanisch und die Japaner mit denen ich rede, antworten auf Englisch! Aber da es mit meinen Sprachkenntnissen echt mal vorangeht hoffe ich dann, dass sie das bald einstellen werden--- oder ich muss denen sagen, dass ich kein Englisch kann! (^-^*

Ein anderes Phänomen ist das andauernde Schuhe ausziehen… Ich glaube wenn das Jahr vorbei ist, habe ich öfter Schuhe an und aus gezogen als in meinem bisherigem Leben. Das man sich der schmutzigen Treter entledigt, wenn man ein Haus betritt, kann ich ja noch nachvollziehen, aber dass man dann andere Schlappen anziehen soll, wenn man auf Toilette geht oder dass man sich die schuhe ausziehen soll, wenn man eine Sporthalle betritt (also nicht die Spielfläche an sich sondern einen riesigen Hallenkomplex) begreife ich bis heute nicht. Auch wenn ich mich dran halte um den japanischen Kodex nicht zu verletzen, muss ich immer innerlich lachen, wenn ich die schätzungsweise 70 Paar Schuhe, die vor dem Eingang des Sportzentrums rum liegen sehe oder bei Turnieren die feinen Herren in Anzügen betrachte, die dann an statt Lederschuhen Pantoffeln oder selbst mitgebrachte und überhaupt nicht zum Outfit passenden Sportschühchen tragen. Ein herrliches Bild!

Ansonsten kann ich berichten, dass es hier so langsam wärmer wird. Die Kirschblütenzeit war ja leider hauptsächlich durch kalte Regentage bestimmt. Man kann sich also bald auf den Sommer freuen, wobei der wohl unerträglich heiss und schwül werden soll… Ich lasse mich überraschen! Bis die Tage… Viele Grüsse!