Japan - Der alltägliche Wahnsinn

Das Tagebuch zu dem 12-monatigem Aufenthalt in Japan ... Studium an der Ryukoku in Kyoto, Neues, Interessantes, Skuriles, Lustiges ...

Sonntag, Oktober 22, 2006

Teil 2: 時代祭や鞍馬の祭 - Jidai-Fest und das Feuer-Fest in Kurama

Am Sonntag standen dann zwei der grössten Feste in Kyoto auf dem Programm, die ich natürlich als ordentlicher Austauschschüler nicht verpassen wollte. Also nahm ich auch die anfänglichen Kopfschmerzen und brennenden Augen in Kauf und startete den Tag mit dem 時代祭 – dem „Fest der Zeitalter“. In einer grossen Parade durch die Strassen Kyotos, wurden die traditionellen Trachten und Kleider aus allen Epochen der vergangenen Jahrhunderte präsentiert. Wegen der vielen Besucher wäre es relativ schwer gewesen etwas zu sehen, aber zum Glück hatte die Stadt einen extra abgesperrten Bereich für Austauschstudenten reserviert, so dass man zum einen einen super Überblick hatte und zum anderen auch mit Austauschstudenten aus aller Welt ins Gespräch kam. Unteranderem traf ich auch zufällig eine frisch-eingetroffene Studentin aus Bonn. Wie klein doch die Welt ist…
Abends fand dann das Feuer-Fest in Kurama 鞍馬の火祭, einem winzigen alten Dörfchen, eine knappe halbe Stunde Zugfahrt von Kyoto entfernt, statt. Das Fest zieht jährlich tausende von Besuchern an, die die nächtliche Prozession der Männer und Knaben mit riesigen Fackeln und zwei Trageschreinen aus dem Yugi-Schrein sehen wollen. Es ist ein uraltes Fest, das aus dem Brauch entstand, die Seelen Verstorbener während ihres Besuches im Diesseits mit Feuerlicht zu begleiten. Ich habe bisher schon einige Feste hier gesehen, aber dieses Feuerfest gehörte mit Abstand zu den beeindruckendsten. Rhythmisch klatschende und sich mit Sprechgesängen in Stimmung bringende Fackelträger drängten sich durch die schmalen Gassen und versetzten das ganze Dorf in eine einzigartige Atmosphäre und eine mitreissende Stimmung. Die unzähligen Fackeln verwandelten alles in ein orangendes Wirrwarr und die Träger, die nur mit einem Lendentuch und einen Schulterschutz bekleidet waren gaben dem ganzen dann auch noch eine skurrile Note. Ich habe versucht Bilder davon zu machen, aber diese Stimmung lässt sich natürlich schwer einfangen.

Das leider weniger erfreuliche war dann das nach Hause kommen. Als wir uns am Ende der Schlange vor dem kleinen Bahnhof des Dorfes anstellten war es 22.00 und das Bahnhofsgebäude an sich war nur klein in der Ferne zu erahnen. Es war dann letztendlich 0.30 als wir, völlig erschöpft. Wieder im Wohnheim eintrafen!