Japan - Der alltägliche Wahnsinn

Das Tagebuch zu dem 12-monatigem Aufenthalt in Japan ... Studium an der Ryukoku in Kyoto, Neues, Interessantes, Skuriles, Lustiges ...

Montag, Oktober 16, 2006

ヤマンバ - Yamamba

Da zur Zeit die Uni wieder den Alltag bestimmt, gibt es kaum was spannendes zu erzählen. So will ich mal wieder etwas zur Kategorie „Kuriositäten in Japan“ berichten! Davon gibt es zwar sehr viele, aber ich hab mich diesmal für die wohl extremste Form der Identitätssuche bzw. Selbstenfaltung japanischer Teenager entschieden: Den Yamamba (ヤマンバ), Gyaru (ギャル), oder ganguro (顔黒).

Es gibt viele Namen für Highschool Kids, die sich mit übertrieben neon-farbenden Klamotten kleiden, Plateau-Schuhe ab 10cm Absatz tragen, ihre weiss, silber oder pink gefärbten bzw. gebleichten Haare zu ungestümen Frisurbergen auftürmen, und dann ihre von unzähligen Sonnenbank-Besuchen inzwischen schon wirklich fast schwarz gewordene Haut auch noch mit Neon- oder weißem Make-up aufpäppeln, um so in der Stadt herumzulungern und mit ihren total von Accessoires und Stickern überwucherten Handys lautstark zu telefonieren.

Es ist wirklich schon beeindruckend wie viel Zeit und Mühe die Mädels und Jungs (Ja, es gibt auch Jungs die so aussehen!!) investieren um ihren Stil zu perfektionieren. Neben dem so genannten „Panda-Look“ (dem weißen Lippenstift und Lidschatten der GROSSZÜGIG aufgetragen wird) und den oben beschriebenen Klamotten, vollenden dann unechte Glitzertränchen oder -Herzchen auf der Wange und farbige Kontaktlinsen das Outfit.

Wenn sich nun einige fragen sollten, „WARUM??“ … ich wills kurz versuchen zu erklären: Ich würde behaupten, dass das japanische Leben von Bekleidungsvorschriften und Regeln geprägt ist. Vom Kindergarten bis zur Hochschule wird man gezwungen die persönlichen Klamotten im Schrank lassen und jeden morgen zur Schuluniform zu greifen. Und die hat man dann meistens auch den ganzen Tag an, weil die Schule bis zum frühen Abend geht. In den Sportvereinen der Schulen und Universitäten gilts Anzugspflicht wenn man öffentlich auftritt und für den späteren Job ist das auch so vorgesehen. Ich war wirklich überrascht zu sehen, dass eigentlich fast jede/r der zur Arbeit fahrenden Damen und Herren Anzüge (Vornehmlich schwarz bzw. dunkel mit weissem Hemd) tragen. Wenn man sich dann noch vorstellt, dass das färben der hier vornehmlich schwarzen Haare im Büro meist verboten wird, kann man sich vorstellen dass das die Monotonie vervollständigt. Schwarze Haare, schwarze Anzüge. Um es auf den Punkt zu bringen: In meinen Augen sehen die Damen und Herren wirklich alle gleich aus.

Man hat wenig Zeit und Gelegenheit mal seinem Klamottengeschmack nach zu gehen und ich glaube wenn man dies einmal tun kann, dann will man auffallen! Ich hab schon die unglaublichsten Stile gesehen; Sachen, die man sich in Deutschland nicht mal trauen würde anzuziehen…. Das Phänomen der Yamamba ist aber wohl die Spitze des Eisbergs. Die japanische Jugend will auffallen- Auffallen um jeden Preis… hübsch und sexy sein.

Ist nur leider schade, dass der Begriff Yamamba an sich überhaupt nicht so diesem SCHÖNHEITSIDEAL passt. Er bedeutet nämlich wörtlich übersetzt "Berghexe" und ich hab ich auch so erschrocken, als ob ich genau so eine gesehen hätte, als mir in Tokyo zum ersten mal diese Damen über den Weg gelaufen sind.

Zum Abschluss: Denkt jetzt bitte nicht, dass die Teens hier alle so rumlaufen!! Vor ein paar Jahren war das super IN und man sah sie recht häufig! Im Moment findet man sie nur fast ausschliesslich noch in Tokyos Stadtteil Shibuya.