Japan - Der alltägliche Wahnsinn

Das Tagebuch zu dem 12-monatigem Aufenthalt in Japan ... Studium an der Ryukoku in Kyoto, Neues, Interessantes, Skuriles, Lustiges ...

Dienstag, Februar 13, 2007

富士山、浜面とカプセルホテル・三日間静岡 - Fuji, Strand und Kapselhotel. Drei Tage Shizuoka

Nachdem ich die letzten Tage und Wochen eigentlich nur zahlreiche Abschiedspartys und das herzzerreissende Abschiednehmen von Lee erlebt hatte, entschied ich mich am letzten Wochenende nach Shizuoka aufzumachen. Shizuoka ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur Shizuoka an der Südostküste von Honshu und ist neben dem guten Tee, besonders für die hervorragende Sicht auf den Berg Fuji bekannt. Darüber hinaus besteht ein Austauschprogramm zwischen Universität von Shizuoka und der in Bonn, so dass ich viele japanische Austauschstudenten die ich in Bonn kennen gelernt habe, wieder zu sehen hoffte.

Meine Reise begann am Freitagmorgen am Bahnhof von Kyoto. Auf den Shinkansen wartend sah ich wieder einmal ein Beispiel für die Kontroverse die hier herrschen. Maikos („Geisha-Auszubildene“), die die Tradition des alten Japan aufrechterhalten und weiterleben, warteten auf den Shinkansen, einer der modernsten Züge der Welt, der sie von der alten Hauptstadt Kyoto in die neue brachte!

Der Zug brauchte knapp 2 Stunden nach Shizuoka. Der erste Tag ein verlief wenig chaotisch. Ich lief mit Kenji, einem Studienfreund aus Bonn der ebenfalls zu Besuch gekommen war, und der mich am Bahnhof abholte, recht ungeordnet durch die Gegend auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit und wir landeten letzen Endes in einem Kapselhotel. Meine erste und wahrscheinlich auch letzte Erfahrung mit einer 2 meter langen und 50 cm hohen Space-Box mit Vorhang als Tür, den ich aber kaum schliessen konnte, weil meine Beine zu lang waren. Ausserdem hab ich kaum ein Auge zubekommen, weil irgendeiner, ich schätze der dicke aus Kapsel 44, extreme Atmungsschwierigkeiten hatte und den Regenwald abholzte und aus einer anderen Kabine die Geräusche eines japanischen Erotikfilmes zu hören waren, den man sich durch einwerfen von 100Yen Stücken zu Gute tun konnte.

Der nächste Tag war dann weit aus erfreulicher. Nachdem ich das Kapselhotel morgens früh verliess, organisierte ich mir einen Stadtplan und machte meine eigene Sightseeingtour. Wirklich viel gab es leider nicht zu sehen, dafür war ich umso mehr überrascht, dass am Shizuoka-Schloss bereits die Kirsch- und Pflaumenblüten blühten; Danke, globale Erwärmung! Mittags traf ich dann Asuka, eine Freundin, die auch in Bonn studiert hatte, mit der ich im Auto die Gegend erkundete. Bei unglaublichen 16°C (Danke, Globale Erwärmung!) und offenen Fenstern ging es zuerst in die Berge, von wo aus man einen hervorragenden Blick über Shizuoka und das Meer bis hin zum Fuji hatte. Bei Pflaumenwein und grünem Tee unter den blühenden Bäumen sitzend, fehlte eigentlich nur noch die Sonnenbrille zu einem perfekten Sommertag; im Februar!

Nach weiteren 15 min Fahrt erreichten wir die Küste bei Shimizu und ich konnte zum ersten Mal einen Strand in Japan erleben. Leider nicht ganz Sandstrand aber als Stadtkind stellt man da keine grossen Ansprüche und ich genoss es am Meer entlang zu schlendern. Die in der Nähe gelegene Burg in Sumpu, dem Alterssitz des Shogun Tokugawa Ieyasu erreichten wir über 1000 Stufen die uns wieder hoch in die Berge führten. Neben einem Tempel beherbergt dieser Ort auch die Urne, in der Tokugawa Ieyasu angeblich bis heute seinen Frieden findet. Er war der Gründer des Tokugawa-Shogunats und gilt mit Oda Nobunaga und Toyotomo Hideyoshi als einer der „drei großen Einiger“ des feudalen Japans und ist einer der wichtigsten Personen in der Geschichte des Landes. Alles in allem wurde mir dann bei einem weiteren Blick auf das Meer klar, was mir ein wenig in Kyoto fehlt. Tempel und Schreine sind ja schön und gut, aber so ein wenig Land- und Küstenluft ab und zu fehlt mir doch.

Am Abend übernachtete ich bei Noboru und seiner Frau und ich schlief nach einigen Bechern Reisschnaps und einem Bad wie ein Baby. Am nächsten Morgen organisierte Noboru, der vor 2 ½ Jahren in Bonn war um deutsch zu lernen und inzwischen sein Studium abgeschlossen hatte und Schiffsmanager in einem Schiffsunternehmen geworden ist eine Fahrt auf einer seiner Boote. Vom Hafen in Shimizu aus fuhren wir in einer Stunde in die Nähe des Fuji und wieder zurück und genossen dabei wieder strahlenden Sonnenschein und einen wunderbaren Blick auf den mit Schnee bedeckten Fuji. Nach einem abschliessenden Mittagessen, wir hatten uns für Sushi entschieden, weil der Fisch wohl dort an der Küste um einiges frischer schmecken soll als in Kyoto, trat ich am Nachmittag wieder den Heimweh an. Kyoto war an diesem Abend kalt und wirkte sehr ... "städtisch" und laut. Ich wohne halt doch in einer Grossstadt!



2 Comments:

At 06:15, Anonymous Anonym said...

ach kapselhotel ^_^
"meins" habe ich stundenlang gesucht und dann zwischen ein paar lovehotels gefunden...

 
At 22:25, Anonymous Anonym said...

Shizuoka neeeee... viel gibt's wirklich nich zu sehen, aber als Uni Bonn Student muss man natuerlich mal dagewesen sein! Und die huebschen Stellen hast du ja zum Glueck gesehen ... jetzt kannst du ruhigen Gewissens heimkommen.
Bisb bald(!) in Bonn!
LG
Theresa

 

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